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Chemical Landmark 2024/2025

Die Universität Zürich war weltweite Wegbereiterin für die ersten Doktorinnen der Chemie

Als erste Hochschule Europas hat die Universität Zürich Frauen zum Studium zugelassen und als erste der Welt einer Frau einen Doktortitel in Chemie verliehen. Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz ehrt die Hochschule als bedeutende historische Stätte der Chemie mit einem Chemical Landmark.

An der Rämistrasse 59, wo heute das Asien-Orient-Institut beheimatet ist, hat die Universität Zürich Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Im Chemielabor im Keller der ehemaligen Kantonsschule er­forschte Lydia Sesemann vor über 150 Jahren die chemischen Eigenschaften der Dibenzylessig­säure und entdeckte ein neues Verfahren, um Homotoluylsäure herzustellen. Beide Säuren sind wichtige Ausgangsstoffe für die Herstellung von Medikamenten. Am 15. Mai 1874 verlieh die «hohe philosophische Facultät» der Universität Zürich der Chemikerin den Doktortitel. Die ge­scheite Finnländerin, wie sie von Zeitgenossen genannt wurde, ist die erste Frau der Welt, die in Chemie promovierte.

  • Lydia Sesemann worked on her dissertation in the basement of the former cantonal school at Rämistrasse 59 in Zurich.
  • Lydia Sesemann, the world’s first female doctor of chemistry.
  • Lydia Sesemann
  • Rachel Lloyd
  • Geertruida W. P. van Maarseveen
  • Edith E. Humphrey
  • Lydia Sesemann worked on her dissertation in the basement of the former cantonal school at Rämistrasse 59 in Zurich.Image: Hofer & Co. Zürich1/6
  • Lydia Sesemann, the world’s first female doctor of chemistry.Image: Åbo Akademi, Félix Nadar2/6
  • Lydia SesemannImage: Gregor Forster3/6
  • Rachel LloydImage: Gregor Forster4/6
  • Geertruida W. P. van MaarseveenImage: Gregor Forster5/6
  • Edith E. HumphreyImage: Gregor Forster6/6
  • Lydia Sesemann worked on her dissertation in the basement of the former cantonal school at Rämistrasse 59 in Zurich.
  • Lydia Sesemann, the world’s first female doctor of chemistry.
  • Lydia Sesemann
  • Rachel Lloyd
  • Geertruida W. P. van Maarseveen
  • Edith E. Humphrey
Lydia Sesemann worked on her dissertation in the basement of the former cantonal school at Rämistrasse 59 in Zurich.Image: Hofer & Co. Zürich1/6

Zwischen Wissenschaft und Revolution

Für ihre Rolle als Wegbereiterin für die ersten Doktorinnen der Chemie wird die Universität Zürich von der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) nun mit dem Chemical Landmark geehrt. Mit diesem Preis zeichnet die SCNAT Wirkungsstätten in der Schweiz aus, die für die Chemie historisch bedeutend sind.

Dr. Sesemann blieb nicht die einzige Pionierin. Die Universität war zu dieser Zeit vielmehr ein Mag­net für Chemikerinnen aus der ganzen Welt. Frauen, denen andernorts eine akademische Laufbahn verwehrt blieb, konnten hier ihren Wissensdurst stillen. So promovierten unter anderem Rachel Lloyd als erste Amerikanerin 1886, Olga Wohlbrück als erste Deutsche 1887, Geertruida W. P. van Maarseveen als erste Niederländerin 1897 und Edith E. Humphrey als erste Britin 1901 in Zürich.

In vielen Ländern war es Frauen verboten, ohne Erlaubnis ihres Vaters oder Ehemanns zu reisen. Um in der Schweiz studieren zu können, heirateten einige überstürzt oder gingen eine Scheinehe ein. Auffallend viele Studentinnen stammten aus dem Zarenreich, das sich im gesellschaftlichen Um­bruch befand. Oft waren die Frauen politisch aktiv und hatten auch in Zürich Kontakt zu revoluti­onären Kreisen. 1873 erliess der Zar deshalb ein Dekret, das es russischen Frauen verbot, in Zürich zu studieren. Die meisten verliessen daraufhin die Stadt. Lydia Sesemann, deren Heimatland da­mals zum russischen Reich gehörte, blieb und schloss ihre Doktorarbeit ab. Ihre Dissertation sei zweifellos eine der besten Arbeiten der Fakultät, befand einer ihrer Doktorväter.

Kaum Schweizerinnen

Während ausländische Studentinnen an die Universität Zürich und andere Schweizer Hochschulen kamen, blieben Schweizerinnen zunächst grösstenteils aussen vor. Denn um studieren zu können, brauchten sie eine Matura. Der Besuch eines Gymnasiums war Mädchen aber nicht erlaubt. Um trotzdem an einer Universität zugelassen zu werden, mussten sie teure Privatkurse besuchen und eine extra Aufnahmeprüfung ablegen.

Die Universität Zürich war eine Vorreiterin, um die Türen zu Wissenschaft und tertiärer Bildung für Frauen zu öffnen. Trotzdem braucht es in der Schweiz weiterhin eine gezielte Förderung, bis eine gerechte Geschlechterverteilung erreicht ist. Erfolgreiche Initiativen an europäischen Forschungs­institutionen können als Vorbild dienen.

  • Moderation des Symposiums durch Kathrin Fenner (Eawag & UZH)
  • Jean-Marc Piveteau (Präsident SCNAT) heisst die Gäste willkommen
  • Caspar Hirschi (HSG) mit einem historischen Rückblick auf die Zürcher Hochschulen im 19. Jahrhundert: „Freiheit der Forschung und Frauen im Hörsaal“
  • Gisela Boeck (Universität Rostock) beleuchtet die Dissertationen der ersten Chemie-Doktorandinnen.
  • In seinem Beitrag "Agents of Change" deckt Edwin Constable (Uni Basel) auf, wie wenig wir über den weiteren Lebensweg vieler Pionierinnen wissen
  • Über die Herausforderungen sowie den Erfolg des Irene Curie Fellowship Programm berichtet Frank Baaijens (TU Eindhoven)
  • Alejandra Palermo (RSC diversity) zu „From Challenges to Change – Breaking the Barriers for Gender Parity“
  • Elodie Brun (dsm-firmenich) erläutert das „Swiss Women in Chemistry (SWC) mentoring program“
  • Roland Sigel zur Gleichstellung an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH
  • Greta Patzke präsentiert "Water splitting for Clean Hydrogen: Strategies and Mechanisms"
  • Podiumsdiskussion zum Thema Frauen in der Chemie: Elodie Brun (dsm-firmenich), Alejandra Palermo (RSC diversity), Frank Baaijens (TU Eindhoven) and Gabriele Siegert (Vizerektorin und Prorektorin Lehre und Studium UZH)
  • Moderation des Symposiums durch Kathrin Fenner (Eawag & UZH)Image: Andres Jordi (SCNAT)1/11
  • Jean-Marc Piveteau (Präsident SCNAT) heisst die Gäste willkommenImage: Andres Jordi (SCNAT)2/11
  • Caspar Hirschi (HSG) mit einem historischen Rückblick auf die Zürcher Hochschulen im 19. Jahrhundert: „Freiheit der Forschung und Frauen im Hörsaal“Image: Andres Jordi (SCNAT)3/11
  • Gisela Boeck (Universität Rostock) beleuchtet die Dissertationen der ersten Chemie-Doktorandinnen.Image: Andres Jordi (SCNAT)4/11
  • In seinem Beitrag "Agents of Change" deckt Edwin Constable (Uni Basel) auf, wie wenig wir über den weiteren Lebensweg vieler Pionierinnen wissenImage: Andres Jordi (SCNAT)5/11
  • Über die Herausforderungen sowie den Erfolg des Irene Curie Fellowship Programm berichtet Frank Baaijens (TU Eindhoven)Image: Andres Jordi (SCNAT)6/11
  • Alejandra Palermo (RSC diversity) zu „From Challenges to Change – Breaking the Barriers for Gender Parity“Image: Andres Jordi (SCNAT)7/11
  • Elodie Brun (dsm-firmenich) erläutert das „Swiss Women in Chemistry (SWC) mentoring program“Image: Andres Jordi (SCNAT)8/11
  • Roland Sigel zur Gleichstellung an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZHImage: Andres Jordi (SCNAT)9/11
  • Greta Patzke präsentiert "Water splitting for Clean Hydrogen: Strategies and Mechanisms"Image: Andres Jordi (SCNAT)10/11
  • Podiumsdiskussion zum Thema Frauen in der Chemie: Elodie Brun (dsm-firmenich), Alejandra Palermo (RSC diversity), Frank Baaijens (TU Eindhoven) and Gabriele Siegert (Vizerektorin und Prorektorin Lehre und Studium UZH)Image: Andres Jordi (SCNAT)11/11
  • Moderation des Symposiums durch Kathrin Fenner (Eawag & UZH)
  • Jean-Marc Piveteau (Präsident SCNAT) heisst die Gäste willkommen
  • Caspar Hirschi (HSG) mit einem historischen Rückblick auf die Zürcher Hochschulen im 19. Jahrhundert: „Freiheit der Forschung und Frauen im Hörsaal“
  • Gisela Boeck (Universität Rostock) beleuchtet die Dissertationen der ersten Chemie-Doktorandinnen.
  • In seinem Beitrag "Agents of Change" deckt Edwin Constable (Uni Basel) auf, wie wenig wir über den weiteren Lebensweg vieler Pionierinnen wissen
  • Über die Herausforderungen sowie den Erfolg des Irene Curie Fellowship Programm berichtet Frank Baaijens (TU Eindhoven)
  • Alejandra Palermo (RSC diversity) zu „From Challenges to Change – Breaking the Barriers for Gender Parity“
  • Elodie Brun (dsm-firmenich) erläutert das „Swiss Women in Chemistry (SWC) mentoring program“
  • Roland Sigel zur Gleichstellung an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH
  • Greta Patzke präsentiert "Water splitting for Clean Hydrogen: Strategies and Mechanisms"
  • Podiumsdiskussion zum Thema Frauen in der Chemie: Elodie Brun (dsm-firmenich), Alejandra Palermo (RSC diversity), Frank Baaijens (TU Eindhoven) and Gabriele Siegert (Vizerektorin und Prorektorin Lehre und Studium UZH)
Moderation des Symposiums durch Kathrin Fenner (Eawag & UZH)Image: Andres Jordi (SCNAT)1/11

Preisverleihungszeremonie

Die Preisverleihung fand am 3. September im Rahmen eines öffentlichen Symposiums mit zahlreichen Gästen statt. Durch das Programm führte Kathrin Fenner (Eawag & UZH), die erste Schweizerin, die zur ordentlichen Professorin in Chemie an der UZH ernannt wurde.

Den Auftakt machte Caspar Hirschi (HSG) mit einem historischen Rückblick auf die Zürcher Hochschulen im 19. Jahrhundert unter dem Titel „Freiheit der Forschung und Frauen im Hörsaal“. Anschliessend beleuchtete Gisela Boeck (Universität Rostock) die Dissertationen der ersten Chemie-Doktorandinnen. Sie zitierte dabei unter anderem Wilhelm Weith (1874) über die erste Chemikerin an der UZH: „The dissertation […] is certainly one of the best our department has ever seen. It clearly demonstrates the female author’s ability to conduct independent research“.

Wie wenig über den weiteren Lebensweg vieler Pionierinnen bekannt ist, zeigte Edwin Constable (Universität Basel) in seinem Beitrag „Agents of change“. Obwohl heute in vielen Disziplinen gleich viele Frauen wie Männer promovieren, bleibt die Gleichstellung auf Ebene der Professuren oft nach wie vor eine Idealvorstellung.

Der zweite Themenblock war aktuellen Förderprogrammen für Frauen in der Wissenschaft gewidmet. Beiträge lieferten Frank Baaijens (TU Eindhoven) zum „Irene Curie Fellowship program“, Alejandra Palermo (RSC diversity) zu „From Challenges to Change – Breaking the Barriers for Gender Parity“ sowie Elodie Brun (dsm-firmenich) zum „SWC mentoring program“. Roland Sigel (UZH) verwies auf ein aktuelles und inspirierendes Beispiel der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH, Greta Patzke, welche zum Thema “Water splitting for Clean Hydrogen: Strategies and Mechanisms” sprach.

Das Symposium endete mit einer lebhaften Podiumsdiskussion. Im Anschluss hielt Christian Bochet (Universität Fribourg) die Laudatio, bevor die Gedenktafel im Freien feierlich enthüllt wurde. Es folgten Grussworte von Jean-Marc Piveteau (Präsident SCNAT), Michael Schaepman (Präsident UZH), Miia Mäntymäki (Präsidentin der Finnischen Chemischen Gesellschaft), Gisela Boeck (Vertreterin der GDCh) sowie Edwin Constable (Vertreter der RSC). Abgerundet wurde die Feier mit einem Apéro im Lichthof der ehemaligen Kantonsschule.

  • Laudatio durch Christian Bochet (Uni Fribourg, Vorsitzender Chemical Landmark Jury und Präsident der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft)
  • Der Rektor der Universität Zürich, Michael Schaepman, empfängt die Auszeichnung
  • Miia Mäntymäki, Präsidentin der Finnischen Chemischen Gesellschaft
  • Gisela Boeck, Vertreterin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
  • Edwin Constable, Vertreter der Royal Society of Chemistry
  • Enthüllung der Gedenktafel durch Jean-Marc Piveateau (Präsident SCNAT) und Michael Schaepman (Rektor UZH)
  • Laudatio durch Christian Bochet (Uni Fribourg, Vorsitzender Chemical Landmark Jury und Präsident der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft)Image: Andres Jordi (SCNAT)1/6
  • Der Rektor der Universität Zürich, Michael Schaepman, empfängt die AuszeichnungImage: Andres Jordi (SCNAT)2/6
  • Miia Mäntymäki, Präsidentin der Finnischen Chemischen GesellschaftImage: Andres Jordi (SCNAT)3/6
  • Gisela Boeck, Vertreterin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)Image: Andres Jordi (SCNAT)4/6
  • Edwin Constable, Vertreter der Royal Society of ChemistryImage: Andres Jordi (SCNAT)5/6
  • Enthüllung der Gedenktafel durch Jean-Marc Piveateau (Präsident SCNAT) und Michael Schaepman (Rektor UZH)Image: Andres Jordi (SCNAT)6/6
  • Laudatio durch Christian Bochet (Uni Fribourg, Vorsitzender Chemical Landmark Jury und Präsident der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft)
  • Der Rektor der Universität Zürich, Michael Schaepman, empfängt die Auszeichnung
  • Miia Mäntymäki, Präsidentin der Finnischen Chemischen Gesellschaft
  • Gisela Boeck, Vertreterin der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
  • Edwin Constable, Vertreter der Royal Society of Chemistry
  • Enthüllung der Gedenktafel durch Jean-Marc Piveateau (Präsident SCNAT) und Michael Schaepman (Rektor UZH)
Laudatio durch Christian Bochet (Uni Fribourg, Vorsitzender Chemical Landmark Jury und Präsident der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft)Image: Andres Jordi (SCNAT)1/6

«The dissertation [...] is certainly one of the best our department has ever seen. It clearly demonstrates the female author's ability to conduct independent research.»

Wilhelm Weith, 1874 – on the first doctoral dissertation in Chemistry written by a woman

This is where it happened.
This is where it happened.
This is where it happened.
This is where it happened.
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The Swiss Academy of Sciences has honoured the University of Zurich with a Chemical Landmark award as a significant historic site for chemistry. UZH was the global pioneer for the first female doctors of chemistry.

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